Ein Fluss steigt meist über Stunden bis Tage — genug Zeit, um einen Pegel zu beobachten und zu reagieren. Eine Sturzflut durch Starkregen läuft anders: Sie trifft oft ohne Vorlauf von einem Fluss und ist vorbei, bevor sich das in einem Pegelstand zeigt. Dieser Ratgeber erklärt den Unterschied und was Fluvigils Starkregen-Index dazu beiträgt.

Sturzflut ist kein Flusshochwasser

Flusshochwasser entsteht, wenn sich Regen aus einem ganzen Einzugsgebiet in einem Fluss sammelt — das dauert, und Pegel flussaufwärts zeigen an, was noch kommt (mehr dazu in Hochwasser kommt von oben). Eine Sturzflut durch Starkregen braucht diesen Umweg nicht: Wenn in kurzer Zeit sehr viel Regen auf versiegelte Flächen, ein steiles Gelände oder ein kleines Gewässer fällt, kann Wasser innerhalb von Minuten Straßen, Unterführungen und Keller füllen — unabhängig vom Zustand des nächsten Flusspegels.

Was der Fluvigil-Starkregen-Index berechnet

Fluvigil liest alle fünf Minuten den Regenradar-Nowcast des Deutschen Wetterdienstes (RADOLAN RV über die Bright-Sky-API) für die nächsten bis zu zwei Stunden an jeder Station. Aus diesem Nowcast berechnet der Index zwei Werte:

  • Erwartete Regenmenge in der nächsten Stunde — die Summe der Radarwerte für die kommenden 60 Minuten.
  • Spitzenintensität — die höchste einzelne Fünf-Minuten-Rate, hochgerechnet auf Millimeter pro Stunde.

Beide Werte werden gegen Referenzwerte skaliert, die sich grob an den Starkregen-Warnstufen des DWD orientieren (markant, Unwetter, extremes Unwetter), und der höhere der beiden bestimmt den Index von 0 bis 100. Eine kurze, heftige Regenspitze zählt dabei genauso wie eine gleichmäßig hohe Stunde — für eine Sturzflut ist beides relevant.

Was der Index nicht ist

Der Index ist eine transparente, deterministische Berechnung aus Radardaten — keine amtliche Warnung. Maßgeblich bleiben die Warnungen des Deutschen Wetterdienstes und die Meldungen der Katastrophenschutzbehörden, etwa über die Warn-App NINA. Der Index sagt außerdem nichts über die Auswirkungen vor Ort: Ob Wasser tatsächlich in einen Keller läuft, hängt von Gelände, Kanalisation und baulicher Vorsorge ab — dazu mehr in Keller vor Hochwasser schützen.

Auf Fluvigil nutzen

Der Starkregen-Index erscheint auf der Kartenanzeige und der Pegelseite jeder Station als zusätzlicher, vom Wasserstand unabhängiger Hinweis. Wer sich per Alarmregel benachrichtigen lassen will, sobald der Index einen Schwellwert überschreitet, richtet das wie jeden anderen Alarm ein — erklärt in Alarme sinnvoll einstellen.