Bei Hochwasser fällt häufig der Strom aus — und viele rechnen damit, dass ihre Photovoltaik-Anlage dann einspringt. Genau das ist ein verbreiteter Irrtum. Dieser Ratgeber erklärt, warum, und was tatsächlich für Notstrom sorgt.
Warum Hochwasser den Strom ausfallen lässt
Steigt das Wasser, schaltet der Netzbetreiber betroffene Ortsnetzstationen oft vorsorglich ab, bevor Trafostationen oder Hausanschlüsse überflutet werden — aus Sicherheitsgründen und um Folgeschäden zu begrenzen. Hinzu kommen direkte Schäden an Leitungen und Verteilern. Ein Stromausfall ist bei größeren Hochwasserlagen daher eher die Regel als die Ausnahme, und er kann Stunden bis Tage dauern.
Der Denkfehler: „Ich habe doch Photovoltaik"
Eine Photovoltaik-Anlage erzeugt zwar Strom, solange es hell ist — aber bei einem Netzausfall liefert sie trotzdem nichts. Grund ist der vorgeschriebene Netz- und Anlagenschutz (NA-Schutz nach VDE-AR-N 4105): Fällt das öffentliche Netz aus, trennt sich die Anlage automatisch. Das schützt die Monteure, die an vermeintlich spannungsfreien Leitungen arbeiten. Eine reine, netzgekoppelte PV-Anlage ohne weitere Technik ist bei Stromausfall also genauso dunkel wie alles andere im Haus.
Was tatsächlich hilft
Damit aus einer PV-Anlage bei Netzausfall nutzbarer Strom wird, braucht es zwei Bausteine: einen Batteriespeicher als Energiequelle und einen Wechselrichter mit Notstrom- oder Ersatzstromfunktion, der ein eigenes, vom öffentlichen Netz abgekoppeltes Inselnetz aufbauen kann. Erst diese Kombination liefert im Ernstfall Strom für Kühlschrank, Heizungssteuerung, Licht und Kommunikation.
Die Begriffe werden oft vermischt, meinen aber Unterschiedliches:
- Notstrom: versorgt nach einer kurzen Unterbrechung einzelne Steckdosen oder ausgewählte Verbraucher. Günstiger, aber mit Einschränkungen im Komfort.
- Ersatzstrom: übernimmt nahezu unterbrechungsfrei das gesamte Hausnetz im Inselbetrieb. Komfortabler, dafür teurer und technisch aufwendiger.
Welche Lösung sinnvoll ist, hängt von Gebäude, vorhandener Anlage und Budget ab — das gehört in die Hand eines Fachbetriebs, der die Installation auch normgerecht und sicher umsetzt.
Vorsorge-Checkliste — auch ohne Photovoltaik
- Pegel im Blick behalten: Beobachten Sie den Pegel in Ihrer Nähe und lassen Sie sich mit einem Pegel-Alarm automatisch warnen, wenn eine kritische Schwelle erreicht wird.
- Notstromquelle für den Übergang: eine geladene Powerstation hält Handy, Router und Taschenlampe am Leben — unabhängig von PV.
- Wichtige Geräte kennen: Heizungssteuerung, Tauch- und Kellerpumpe und Kühlgeräte brauchen im Ernstfall zuerst Strom. Wie Sie den Keller insgesamt schützen, zeigt der Ratgeber Keller vor Hochwasser schützen.
- Amtliche Warnungen beachten: Maßgeblich bleiben die Hochwasserzentralen der Länder und Warn-Apps wie NINA.