Nicht jeder feuchte Keller hat mit einem übertretenden Fluss zu tun. Wenn der Grundwasserspiegel steigt, kann Wasser von unten in einen Keller drücken, ganz ohne dass in der Nähe ein Fluss über die Ufer tritt. Dieser Ratgeber erklärt, was ein Grundwasserstand bedeutet und wie er sich von einem Flusspegel unterscheidet.

Grundwasserstand ist keine Wassertiefe

Eine Grundwassermessstelle (meist ein schmaler Brunnen, ein Grundwasserpegel) misst, wie hoch die Grundwasseroberfläche gerade steht. Anders als beim Flusspegel wird dieser Wert nicht relativ zu einem Pegelnullpunkt angegeben, sondern als absolute Höhe in Metern über Normalnull (m ü. NN) — derselben Bezugsgröße, mit der auch Geländehöhen angegeben werden. Ein Wert von 480 m ü. NN sagt für sich genommen nichts, solange man die Geländehöhe der Messstelle nicht kennt; erst der Abstand zwischen beiden zeigt, wie tief das Grundwasser unter der Oberfläche steht.

Warum sich Grundwasser nicht mit einem Flusspegel vergleichen lässt

Ein Flusspegel reagiert auf Regen im Einzugsgebiet oft innerhalb von Stunden bis Tagen. Grundwasser bewegt sich viel langsamer: Wasser sickert über Wochen bis Monate durch den Boden, bevor es den Grundwasserspiegel erreicht. Ein hoher Grundwasserstand ist deshalb oft die Folge einer länger anhaltenden Nässeperiode, nicht eines einzelnen Starkregenereignisses — und er bleibt entsprechend länger hoch, auch wenn längst kein Regen mehr fällt.

Wenn Grundwasser den Keller flutet

Steigt der Grundwasserspiegel bis über die Kellersohle oder die Kellerwände, kann Wasser von unten und von den Seiten eindringen — unabhängig davon, ob ein Fluss in der Nähe Hochwasser führt. Betroffen sind vor allem Keller in grundwassernahen Lagen, etwa in Flussauen oder auf ehemaligen Feuchtgebieten. Bauliche Vorsorge gegen eindringendes Wasser — Abdichtung, Rückstausicherung, Pumpen — hilft hier ebenso wie bei Hochwasser durch einen Fluss; die Maßnahmen sind in Keller vor Hochwasser schützen beschrieben.

Grundwasserstände auf Fluvigil

Fluvigil zeigt aktuell Grundwassermessstellen des Gewässerkundlichen Dienstes Bayern — rund 1.960 Messstellen mit ihrem aktuellen Stand in Metern über NN. Auf der Karte und in der Übersicht sind sie am Messwerttyp „Grundwasser" erkennbar und lassen sich entsprechend filtern. Da viele Messstellen nur in größeren Abständen abgelesen werden, kann der zuletzt gemeldete Wert deutlich älter sein als bei einem Flusspegel — das ist bei diesen Messstellen normal.

Für Grundwasser gibt es keine Hochwasser-Meldestufen und keine Flusskilometer-Einordnung — beides ist an das Konzept eines fließenden Gewässers gebunden und lässt sich auf einen Grundwasserstand nicht übertragen.